So bestehst du den Autotest: Warum dein Mix matschig klingt
Die „Kopfhörerlüge“
Du verbringst 8 Stunden damit, einen Track zu mischen. Er klingt gewaltig. Du eilst zu deinem Auto, um ihn dort abzuspielen, und plötzlich klingt es, als läge eine Decke über den Lautsprechern. Die Snare geht unter, der Bass ist nicht klar zu erkennen und alles klingt „flach“.
Das nennt man Matsch.
Matsch ist kein Lautstärkeproblem, sondern entsteht durch die Anhäufung von Frequenzen. In moderner Bassmusik gibt es drei bestimmte Bereiche, in denen sich Energie ansammelt und die Klarheit deines Tracks beeinträchtigt. So räumst du sie auf.
Die „Matsch-Absenkung“ (200Hz bis 400Hz)
Dies ist der gefährlichste Frequenzbereich in der Musikproduktion. Warum?
Weil sich hier alles abspielt.
- Der Grundton deiner Snare.
- Der Klangkörper deines Lead-Synthesizers.
- Die oberen Obertöne deines Basses.
- Die Wärme der Gesangsstimme.
Wenn all diese Elemente bei 300Hz, um Platz kämpfen, klingt der Mix „topfig“ und eingeengt.
Die Lösung: Öffne deine Synth-Gruppe und deine Bassgruppe. Nimm einen EQ, stelle eine Glockenkurve mit einem breiten Q-Faktor ein und senke -2dB bis -3dB bei 300Hz ab. Diese kleine Absenkung „öffnet“ den Mix sofort und lässt die Drums druckvoll durchkommen.
Der „Phantom“-Tiefbass
Du hast deinen Lead-Synth hochpassgefiltert, und die Grenzfrequenz liegt bei 150Hz, also hältst du ihn für sauber, oder? Falsch.
Wenn du ein OTT-, Saturator- oder Distortion-Plug-in nach diesem EQ einsetzt, hast du erneut tieffrequentes Rumpeln erzeugt. Verzerrung erzeugt Harmonische in beide Richtungen, nach oben und nach unten.
Die Lösung: Überprüfe deinen EQ immer am Ende der Signalkette. Du wirst überrascht sein, wie viel störendes Rumpeln bei deinen Lead-Sounds unterhalb von 100Hz liegt. Schneide es erneut heraus. Dadurch entsteht mehr Headroom für deinen Subbass und deine Kickdrum.
Der Sidechain-Realitätscheck
In Dubstep und DnB haben Kick und Snare das Sagen. Alles andere ist ihnen untergeordnet.
Wenn du deine Snare nicht deutlich hörst, mach sie nicht lauter. Mach alles andere leiser.
Verwende ein Tool wie LFO Tool, ShaperBox oder Trackspacer. Geh dabei nicht zu subtil vor. Bei Bass Music musst du die Lautstärke deiner Synths und Bässe für den Sekundenbruchteil, in dem Kick und Snare einsetzen, deutlich absenken, manchmal sogar auf -inf dB. Wenn du die Absenkung nicht hörst, ist sie wahrscheinlich nicht aggressiv genug.
Der Referenztrick mit „rosa Rauschen“
Deine Ohren gewöhnen sich nach etwa 15 Minuten an einen schlechten Mix. Das nennt man „Hörermüdung“. Du hörst den Matsch nicht mehr, weil dein Gehirn ihn ausblendet.
Um dein Gehör zurückzusetzen, brauchst du einen Referenztrack.
- Ziehe einen professionell gemischten Track von Skrillex, Noisia oder Virtual Riot in deine DAW.
- Senke die Lautstärke um etwa -6dB ab, damit sie zu deinem ungemasterten Track passt.
- Lege einen Spektrumanalysator auf den Master-Kanal.
- Vergleiche ihren 300Hz-Bereich mit deinem. Wölbt sich deiner zu stark hervor? Vergleiche ihren Subbasspegel. Ist deiner viel lauter?
Vertrau nicht deinen Ohren. Vertrau der Referenz.
Häufig gestellte Fragen
1. Sollte ich bei allem einen Hochpassfilter bei 150Hz? einsetzen
Antwort: Nein. Das ist ein schlechter Rat aus dem Jahr 2010. Eine Snare oder warmen Gesang bei 150Hz mit einem Hochpassfilter zu bearbeiten, entfernt den „Körper“ und lässt den Klang dünn wirken. Setze den Hochpassfilter nur so weit ein, bis du hörst, dass der Klang dünner wird, und nimm ihn dann etwas zurück.
2. Warum klingt mein Mix in Mono schlecht?
Antwort: Wahrscheinlich ist die Stereobreite deiner tiefen Frequenzen zu groß. Alles unter 120Hz sollte mono sein. Verwende ein Utility-Plug-in, um den Bass in deinem Masterkanal auf Mono zu stellen.
3. Kann ich mit Kopfhörern mischen?
Antwort: Ja, aber Kopfhörer überbetonen das Stereofeld und kaschieren Phasenprobleme. Wenn du mit Kopfhörern mischst, verwende ein Plug-in wie CanOpener oder prüfe deinen Mix einfach regelmäßig in Mono, um sicherzustellen, dass die Balance erhalten bleibt.
Fazit
Bei einem sauberen Mixdown geht es nicht darum, ausgefallene Plugins hinzuzufügen, sondern unnötige Frequenzen zu entfernen.
Wenn du genau sehen möchtest, wie ein professioneller Track mit EQ bearbeitet, per Sidechain gesteuert und ausbalanciert wird, lade eine unserer Projektvorlagen herunter. Du kannst den Mixer öffnen und dir die exakten Kurven ansehen, mit denen wir den Klang frei von Mulm halten.
Viel Spaß beim Mixen.