So verleihst du vorgefertigten Loops einen einzigartigen Klang
Das Stigma ist real (und dumm)
In der Producer-Community gilt es auf seltsame Weise als Ehrenabzeichen, zu sagen: âEchte Producer synthetisieren alles von Grund auf.â
Das ist eine LĂŒge.
Die gröĂten Namen der Bassmusik (Skrillex, Virtual Riot, Subtronics) verwenden stĂ€ndig Audioaufnahmen. Der Unterschied ist: Wenn sie einen Loop verwenden, merkt man es nicht. Sie behandeln Audioaufnahmen nicht als fertiges Audiomaterial, sondern als formbaren Rohstoff.
Wenn du Audioaufnahmen verwenden möchtest, ohne wie ein âPreset-Producerâ zu klingen, musst du die Audiobearbeitung beherrschen. Hier sind die 3 Techniken, mit denen wir Audiomaterial zerlegen und neu aufbauen.
Technik 1: Die âtiefer gepitchteâ Textur
Das ist das Geheimnis hinter 90% aller wuchtigen Mid-Bass-Sounds.
Hohe KlÀnge wie Becken, metallische GerÀuschaufnahmen oder weiblicher Gesang offenbaren unglaubliche Texturen, wenn du sie verlangsamst.
- Das Vorgehen: Nimm einen metallischen âKlingâ-Sound oder eine Hi-Hat-Aufnahme.
- Der Prozess: Pitche sie um -12, -24, oder sogar -36 Halbtöne nach unten.
- Das Ergebnis: Die hohen Frequenzen werden gedehnt und verwandeln sich in tiefe, gurgelnde Texturen. Was einst ein âKlingâ war, ist nun ein metallisches Knurren, das perfekt zu Riddim oder Tearout passt.
Technik 2: Granularsynthese
Betrachte Audio nicht lÀnger als gerade Linie vom Anfang bis zum Ende. Stell es dir als Wolke aus Partikeln vor.
Die Granularsynthese zerlegt eine Audioaufnahme in winzige âKörnerâ (10ms bis 100ms) und spielt sie in zufĂ€lliger Reihenfolge sowie mit zufĂ€lliger Tonhöhe und Panoramaposition ab.
Geeignete Tools:
- Granulator II (Ableton): Kostenlos und leistungsstark. Ideal, um Gesangsaufnahmen in atmosphÀrische Pads zu verwandeln.
- Portal (Output): Ideal, um langweilige Melodien in glitchige, rhythmische Texturen zu verwandeln.
- Das Ziel: Nimm einen gewöhnlichen Drumloop, schicke ihn durch einen Granularsynthesizer und nimm das Ergebnis auf. Du erhĂ€ltst einen Strom aus zufĂ€lligem digitalem Rauschen, der sich perfekt fĂŒr Hintergrundeffekte eignet.
Technik 3: Das âFrankensteinâ-Schlagzeugkit
Einen kompletten Drumloop zu verwenden ist faul. Die besten Teile eines Drumloops zu klauen, ist Tontechnik.
Verwende niemals einen Loop fĂŒr den gesamten Beat. Zerschneide ihn.
- Loop A: Hat eine schreckliche Snare, aber eine groĂartige Kick. â Schneide die Kick heraus.
- Loop B: Hat eine schwache Kick, aber eine perfekt gemischte Snare. â Schneide die Snare heraus.
- Loop C: Hat einen groĂartigen Shuffle oder Groove in den Höhen. â Wende einen Hochpassfilter an und lege ihn darĂŒber.
Indem du diese drei Elemente kombinierst, erzeugst du einen Drum-Groove, der mathematisch einzigartig fĂŒr deinen Track ist.
Profi-Tipp: Missbrauche die Warp-Algorithmen
Die Time-Stretching-Algorithmen deiner DAW sind darauf ausgelegt, Audio âsauberâ klingen zu lassen. Hör damit auf.
Wir wollen Artefakte. Wir wollen digitales Rauschen.
- In Ableton: Stelle den Warp-Modus auf âTextureâ oder âBeatsâ. Dehne ein Sample so, dass es 2x so lang ist.
- Das Ergebnis: Du hörst Stottern, metallische Artefakte und Körnigkeit. In Popmusik ist das schlecht. Im Dubstep ist es âTexturgoldâ. Resample dieses GerĂ€usch und nutze es fĂŒr dein Bassdesign.
HĂ€ufig gestellte Fragen
1. Ist die Verwendung von Samples legal?
Antwort: Wenn du sie bei einem Anbieter lizenzfreier Samples gekauft hast, etwa bei EDM Templates oder Splice, dann ja. Du kannst sie in kommerziellen Veröffentlichungen verwenden, ohne uns zu nennen. Wenn du sie aus einem urheberrechtlich geschĂŒtzten Song gerippt hast, dann nein.
2. Wie passe ich die Tonart eines Samples an meinen Song an?
Antwort: Verlass dich nicht auf den Dateinamen. Nutze ein StimmgerĂ€t-Plug-in oder deine Ohren. Transponiere das Sample um +12 Halbtöne nach oben, damit du den Ton deutlich hörst, passe es an die Tonart deines Tracks an und transponiere es anschlieĂend wieder nach unten.
3. Meine Samples klingen nach âLo-Fiâ, wenn ich sie nach unten transponiere. Ist das in Ordnung?
Antwort: Ja. Dieses âAliasingâ, also der raue Klang niedriger Sampleraten, ist in der Bassmusik eine begehrte Ăsthetik. Wenn es zu matschig klingt, entferne einfach die Subfrequenzen mit einem EQ.
Fazit
Samples sind kein âSchummelnâ. Sie sind einfach eine weitere Form der Synthese. Egal, ob du Gesang granulierst oder das Tempo eines Drum-Loops verĂ€nderst, das Ziel bleibt gleich: Aus dem Ausgangsmaterial etwas Neues erschaffen.
Bereit zum Verformen? Hol dir ein frisches Sample-Paket und finde heraus, wie stark du es zerlegen kannst.
Viel SpaĂ beim Sampling.